Traditionsreicher geht es fast nicht. Ein Ereignis, so sicher wie dass man in der Schule mal von Goethes
Faust hört, so unumstößlich wie Martins gute Laune, so legendär dass man es nicht mal in der
Wikipedia nachschlagen kann, weil man darüber keine Worte verlieren muss: Die Übernachtung in der
Boofe am Bärenstein vom 30.4. zum 1.5. eines jeden Jahres, ein in Sandstein gemeißelter Termin seit über einer Dekade für ein paar unentwegt den 30 entgegenschreitenden Erdenbewohnern aus Dresden.
Die Anreise war perfekt getimed. Von @Home über den Parkplatz des örtlichen Penny (war zu voll - gleich weitergefahren), zum Bäcker im Real-Markt zur Versorgung mit Fresskram, über die Tanke zum Weinnotkauf, beim Bruder vorbei zwecks Schlafsackeinsackung, hin zur Parkplatzsuche am Bahnhof und eiligster Beförderungsberechtigungsurkundenerstehung (17:57 Uhr: "Können Sie mir sagen was für ein Ticket ich brauche?") und schließlich die Abfahrt der S-Bahn Punkt 18:00 Uhr ohne noch das Ticket knipsen zu können - die Götter haben scheinbar dafür gesorgt, dass ich nirgendwo die entscheidenden 10 Sekunden, die zum Zugverpassen gefehlt haben irgendwo auf der Strecke lasse.
Als mich StVo im Zug gefragt hat wo es hingeht: "Na dort wo es immer hingeht." - "Ich war noch nicht dort." - "Unmöglich!"
Das Wetter war wie beim Sonntagnachmittagsausflug, aber es waren nicht alle da. Schämt euch ihr Fernbleiber und Schande über mich, weil ihr das gleiche über mich in den letzten Jahren hättet sagen können. Sei's drum, nächstes Jahr wird alles besser!
Der Anstieg in Stadt Wehlen geht wie immer die ersten 30 Meter, ihr kennt das, bevor die Gruppe langsam den Atem verliert und das Gebrabbel verstummt. Manche vorne weg wie unser Marathonmann, der Rest hinterher. Quer übers Feld und durch die Stäucher und schon warnwar da. Schritt 1 zum Glück: Holz sammeln (keine Ahnung ob Stephan schnarcht, aber er ist DER Waldarbeiter unter uns) - 2. Schritt: kurz auf dem Sonnenstein die Aussicht und die letzten Sonnenstrahlen genießen - 3. Schritt: Essen fassen. 4. Schritte: Aufs dunkel werden warten - 5. Schritt: Den Grillplatz booten; trotz des vielen feuchten Holzes ein vergleichsweise rauchfreier Abend - 6. Schritt: Frohsinn! Das umfasst das verschwenderische Verbrennen von Marshmallows, und einiger andere Lebensmittel. Das Knüppelbrot konnte es gar nicht erwarten aus seiner Plasteummantelung herauszukommen - typisch für unser Kochwunder Annett. Aber was fehlte: Reklamhefte! Ohje. Mit der Zeit wird man eben nicht unbedingt weiser, aber auf jeden Fall älter. Aber egal. Wer jetzt weitergelesen hat und meinte die Hefte ware zur Verkokelung gedacht wie früher unsere Klassenarbeiten - was denkt DU! nur über uns ... Wir wollten den sächsisch verfassten Faust lesen, aber so richtig mochte keiner (mit dem Alter kommt eben auch etwas Entspannung - früher hätte sowas Zank und Opposition gegeben). Bloß richtig hart wollte keiner sein. Viele schlüpften früh in die Schlafsäcke, nur Mühle und ich haben das Feuer bis nach 2:30 Uhr bewacht. Weicheier. Und dann haben die anderen auch noch so dekadent lange schlafen. Ich hingegen bin auf dem Sonnenstein saft vom Morgentau wachgeküsst worden. Sprich: Es hat geschifft, während die anderen unter dem Überhang trocken geblieben sind und sich nochmal im Schlaf ungedreht haben. Naja, das war die Gelegenheit um mal meine Ganz-schnell-Notfall-Alles-Zusammensammel-Aktion zu starten und mein nicht vorhandens Zelt auf dem "Vordach" der Boofe abzubrechen. Irgendwann wurden auch die anderen alle wach, und es gab ein ordentliches Picknick. Leider hats immer weiter geregnet, und spätestens nach dem Abstieg über die lange Graswiese, die für Staudammeffekte in meinen Sneakers gesorgt hat (warum hab ich nicht die
Meindls angezogen wie Mühle), war für mich Schicht. Die anderen sind dann noch ordentlich wandern gegangen (oder?), aber das ist eine andere Geschichte ...
Die Bilder sind hier:
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